
Der europäische Strommarkt stand auch im Jahr 2025 unter dem Einfluss tiefgreifender struktureller Veränderungen. Die Energiewende, volatile geopolitische Rahmenbedingungen, ambitionierte Klimaziele und technologische Entwicklungen haben die Anforderungen an Versorgungssicherheit, Flexibilität und Wirtschaftlichkeit weiter verschärft. Besonders im Fokus: die angestrebte Dekarbonisierung, der beschleunigte Ausbau erneuerbarer Energien und deren Integration in ein zunehmend digitalisiertes Stromsystem.
Die Spotmarktpreise waren in allen europäischen Ländern volatil, teilweise im Monatsverlauf, teilweise aber auch im Tagesverlauf. Dass dies meistens von exogenen Ereignissen hervorgerufen wurde, zeigt unter anderem auch die Komplexität des Marktes wieder. In Deutschland stiegen die Spotpreise im Jahresverlauf leicht an: Ergänzende Treiber waren dabei saisonale Spitzenlasten, wechselhaftes Wetter und regional auftretende Netzengpässe. Gleichzeitig wurden im Juni 2025 historische Höchstwerte negativer Strompreise verzeichnet – mehr als 140 Stunden mit Preisen unter 0 EUR zeigen, wie stark die Flexibilitätsanforderungen an das System gewachsen sind.
Mehr Nachfrage als Erzeugung – Deutschland bleibt Nettoimporteur
Die Bruttostromerzeugung lag in den ersten drei Quartalen des Jahres 2025 in Deutschland bei rund 365 TWh, wovon etwa 56 Prozent durch erneuerbare Energien gedeckt wurden. Photovoltaik und Windkraft trugen maßgeblich bei, allerdings mit saisonal stark schwankender Verfügbarkeit, was sich auch in den Preisen niederschlug. Vor allem ein windschwaches Frühjahr reduzierte die erwartete Stromproduktion. Rund die Hälfte des bundesdeutschen Ökostroms wird aus Windkraft gewonnen.
Die Nachfrageentwicklung zeigte sich europaweit heterogen. In Deutschland dürfte der Bruttostromverbrauch, aufs Gesamtjahr hochgerechnet, bei mehr als 500 TWh liegen – etwas mehr als 2024. Im dritten Jahr in Folge musste Strom importiert werden, um den nationalen Bedarf zu decken. Treiber der Nachfrageentwicklung waren die Elektromobilität, die Wärmepumpen sowie die IT-Infrastruktur wie etwa Rechenzentren. Zudem nahmen die saisonalen Spitzenlasten zu, etwa durch Hitzewellen und infolgedessen vermehrten Einsatz von Klimaanlagen.
Ausblick und Bewertung
Der europäische Strommarkt 2025 war durch ein Spannungsfeld aus wachsenden erneuerbaren Anteilen, struktureller Angebotsveränderung und teils träge reagierender Nachfrage geprägt. Daran dürfte sich auch im kommenden Jahr 2026 nichts ändern. Auch die Preisbildung wird von Volatilität geprägt bleiben. Deutschland fungiert weiterhin als zentraler Markt und Lastverteiler im europäischen Verbundnetz – mit allen Herausforderungen in Sachen Netzkapazitäten und Speicherintegration. Frankreich bleibt Produktionsriese mit Exportdruck, während kleinere Märkte wie Belgien oder Österreich zeigen, wie stark strukturelle Engpässe oder Nachfragecluster die Marktstabilität beeinflussen können.
Die Anforderungen an den Strommarkt in ganz Europa steigen: Flexibilität, Netzausbau, Investitionen in Speicher und intelligente Steuerungstechnologien sind keine Option, sondern Bedingung für ein stabiles, wirtschaftlich tragfähiges Stromsystem auf dem Weg zur Dekarbonisierung.
Autor: Dimitrios Koranis
Dieser Beitrag erschien am 19. Dezember 2025 bei KI Web (Kunststoff-Information).

