
Das Jahr 2025 war für den europäischen Gasmarkt ein Jahr der Konsolidierung, strukturellen Anpassung und der Konsistenz in einem insgesamt volatilen geopolitischen Umfeld. Nach den massiven Schocks der Jahre 2022/23 kehrte eine neue Normalität ein. Die extreme Volatilität verflachte sich, die Marktteilnehmer haben neue Lieferketten und Speicherstrategien etabliert, und politische Richtlinien steuern aktiv auf höhere Versorgungssicherheit sowie emissionsbezogene Anforderungen.
Preisentwicklung – moderat, aber sensitiv gegenüber Nachrichten
Der Gas‑Spotmarkt in Europa bewegte sich 2025 auf relativ niedrigen und stabilen Preisniveaus im Vergleich zu den Spitzen der Energiekrise. Gleichzeitig blieb der Markt sensitiv gegenüber geopolitischen Nachrichten, was sich in kurzfristigen Preisschwankungen zeigte (etwa im Juni 2025 aufgrund geopolitischer Spannungen im globalen Energiehandel). Nennenswert hierbei ist der kontinuierliche Rückgang der Spotmarktpreise im Jahresverlauf.
Die Future‑Preise reflektierten diese relativ stabile Preisbasis: Forward‑Kontrakte blieben nahe den Spotpreisen, was auf ein Marktumfeld ohne große Risikoaufschläge hindeutet. Die ursprüngliche Erwartung, dass Risikoaufschläge aufgrund politischer oder infrastruktureller Engpässe steigen könnten, hat sich in diesem Jahr nicht bestätigt. Demzufolge sanken die Futures für 2026 im Laufe des Jahres 2025 kontinuierlich. Für die Folgejahre 2027/28 zeigt sich ein ähnliches Bild.
LNG und Pipelinevielfalt tragen zur Versorgungssicherheit bei
Die Gasversorgung Europas 2025 wurde entscheidend von steigenden LNG‑Importen getragen. Laut globalen Marktberichten erreichte der Kontinent im ersten Halbjahr 2025 einen Rekord bei LNG‑Importen, mit rund 796 LNG‑Tankerlieferungen an europäischen Terminals. Das entspricht einem Volumen von etwa 75 Mrd m³ – und liegt um ein knappes Viertel über dem Vorjahresniveau. Die Importvolumina kamen vor allem aus den USA (mit mehr als 50 Prozent Marktanteil), gefolgt von Russland (LNG‑Exportanteil) mit knapp 15 Prozent sowie Algerien und Katar mit jeweils knapp 10 Prozent. Weitere Lieferländer wie Nigeria oder Angola trugen zusätzlich zur Flexibilität und Lieferdiversifizierung bei. Pipelineimporte aus Norwegen tragen ebenso zur Stabilität der Versorgung bei.
Die Entwicklung der Speicherfüllstände im Gasbereich war auch 2025 ein zentraler Frühwarnindikator und Risikofaktor. In Deutschland liegen die Speicherfüllstände im Dezember 2025 aktuell bei etwa 64 Prozent und damit deutlich unter dem Vorjahr. Auch der derzeitige EU-Durchschnitt ist mit rund 70 Prozent unter dem Vorjahreswert von 80 Prozent. Die relativ geringere Attraktivität der Speicherbefüllung trotz höherer Importmengen liegt an der geringen Preisdifferenz zwischen Sommer‑ und Winterkontrakten. Geringe saisonale Arbitragemöglichkeiten minderten den ökonomischen Anreiz für Händler, Gas einzulagern.
Die Gasnachfrage 2025 hat um etwa 6 Prozent zum Vorjahr zugenommen, was vor allem auf eine gesteigerte Nutzung im Elektrizitätssektor zurückzuführen ist, nachdem starker Wind- und Wasserkraftoutput in einigen Perioden nachließ und Gaskraftwerke die Stromversorgung absichern mussten. Die Industrienachfrage blieb insgesamt stabil bis moderat wachsend, vor allem im Chemiesektor, der Glasindustrie und anderen energieintensiven Branchen.
Bewertung und Ausblick
Im Fazit lässt sich festhalten: Der europäische Gasmarkt hat sich stabilisiert, nachdem die dramatischen Schwankungen der Energiekrise abgeklungen sind. LNG‑Importe und Pipelinevielfalt haben die Versorgungssicherheit maßgeblich gestützt. Die Preise haben sich moderat entwickelt, bleiben aber sensibel für geopolitische Nachrichten und liegen insgesamt höher als zu Zeiten der russischen Pipeline-Lieferungen. Der Gasmarkt behält seine Rolle als Brückentechnologie zwischen traditioneller fossiler Nutzung und Energiewende. Gleichzeitig zwingt der politische Rahmen die Akteure dazu, Diversifizierungs‑, Speicher‑ und Emissionsstrategien weiter zu optimieren – ein Prozess, der auch das kommende Jahr 2026 dominieren und damit den Preisabschwung dämpfen wird.
Autor: Dimitrios Koranis
Dieser Beitrag erschien am 19. Dezember 2025 bei KI Web (Plastics-Information).

