Eine kleine Wasserstraße stürzt die Welt ins Chaos

Die militärische Eskalation zwischen den USA und Israel sowie dem Iran und die davon ausgelöste faktische Blockade der Straße von Hormus haben innerhalb weniger Tage einen massiven Angebotsschock an den globalen Energiemärkten ausgelöst. Der Transport eines erheblichen Anteils der weltweiten Öl- und LNG-Exporte ist damit eingeschränkt.
Zwar bezieht Europa nur einen geringen Teil der Mengen aus dem Nahen Osten und ist somit nicht unmittelbar betroffen, ist aber Allokationen der Mengen und Arbitrage der Länder/Lieferanten ausgesetzt.
Der Gasmarkt reagierte besonders stark: TTF-Großhandelspreise eröffneten zum Frontmonat mit einem Sprung von rund 19 Prozent und erreichten zwischenzeitlich mehr als 49 EUR/MWh. Im Spotmarkt waren zeitweise sogar Rekordwerte von knapp 60 EUR/MWh zu sehen, die an 2022 erinnerten. Auslöser ist das Risiko eines erheblichen Angebotsausfalls.
Auf Angebotsseite ist die De-facto-Blockade der Straße von Hormus der wichtigste Faktor. Mehr als 20 Prozent der weltweiten LNG-Exporte werden über die Wasserstraße transportiert. Das Gefahrenpotenzial sorgt für extreme Versicherungsprämien, die eine Passage unwirtschaftlich machen. Hinzu kommen Produktionsausfälle unter anderem der größten LNG-Anlage weltweit im qatarischen Ras Laffan sowie ein Förderstopp auf israelischen Gasfeldern.
Auf Nachfrageseite zahlt Asien höhere Preise, wodurch LNG-Ladungen von Europa umgeleitet werden. Darüber hinaus sind Staaten wie beispielsweise Ägypten durch Produktionsausfälle zu Importeuren geworden. Hinzu kommt der Nachfragedruck in Europa wegen der mit 28 bis 30 Prozent eher niedrigen Füllstände der Gasspeicher.
Aktuell dominiert der geopolitisch getriebene Angebotsschock. Die Preisentwicklung wird weniger von klassischen Fundamentaldaten als von Eskalationsrisiken bestimmt. Kurzfristig wird das für sehr hohe Volatilität sorgen. Preisrisiken nach oben überwiegen, eine opportunistische Beschaffung wäre lediglich bei kurzfristigen Rücksetzern sinnvoll.
Autor: Dimitrios Koranis
Dieser Beitrag erschien am 18.03.2026 bei KI Web (Kunststoff-Information).

