Angespannte Versorgung, stabiler Terminmarkt

Der abgelaufene Monat Mai 2026 zeigte eine bemerkenswerte Diskrepanz: Einerseits blieb die fundamentale Versorgungslage angespannt, andererseits zeigte sich der Terminmarkt überraschend stabil. Vieles deutete darauf hin, dass sich der Markt von der akuten Schockphase mittlerweile in eine Phase struktureller Anpassung bewegt hat, mit hoher Gewöhnung der Marktteilnehmer. Die Risiken bleiben dennoch unverändert hoch, sind aber in den Notierungen bereits eingepreist.
Von Oktober 2025 an bis einschließlich April 2026 gingen die durchschnittlichen Monatspreise im Spotmarkt in verlässlicher Regelmäßigkeit steil auf- und wieder abwärts. Es kam im Mai, wie es diesem Trend zufolge kommen musste: Der durchschnittliche Monatspreis stieg erneut und erreichte 98,97 EUR/MWh. Damit lag er jedoch weiterhin unter dem März-Niveau, als der Hormus-Effekt eine deutliche Preisschockwelle auslöste.
Im ersten Monatsdrittel zeigte sich zunächst ein Durchschnittspreis von 98,92 EUR/MWh. Im zweiten Drittel erhöhte sich dieser sogar auf 103,37 EUR/MWh, bevor er zum Monatsende wieder leicht auf 95,03 EUR/MWh zurückging. Gleichzeitig kam es erneut zu mehreren Stunden mit negativen Strompreisen. Hervorzuheben ist der 1. Mai mit einem Tiefstwert von -437 EUR/MWh. Wer an diesem Tag einen hohen Stromverbrauch hatte, konnte davon profitieren.
Zu den wesentlichen Preistreibern zählten die weiterhin hohen Gaspreise in Verbindung mit einer begrenzten LNG-Verfügbarkeit sowie gestiegene Kohlepreise, die vom verstärkten Einsatz von Kohlekraftwerken zur Deckung der Nachfrage zusätzlich unterstützt wurden. Hinzu kamen steigende CO₂-Preise, die sich im Bereich von 75 bis 80 EUR/t bewegten und den Kostenauftrieb verstärkten.
Erste Hinweise auf einen ebenfalls angespannten Juni könnten die Entwicklungen in Frankreich sein. Aufgrund eingeschränkter Kraftwerksverfügbarkeiten liegt die verfügbare Leistung dort im Juni bei lediglich rund 70 Prozent des üblichen Niveaus. Mögliche Stromimporte aus dem Nachbarland könnten daher teurer ausfallen als gewohnt. Mit steigenden Temperaturen dürften dann zudem zwei gegenläufige Effekte aufeinandertreffen: Auf der einen Seite erhöht die stärkere Einspeisung aus Photovoltaikanlagen das Angebot und dämpft damit die Preise. Auf der anderen Seite steigt der Strombedarf für Kühlung, was wiederum preistreibend wirkt.
An den Future-Märkten (für die Jahre 2027 ff.) werden die Verwerfungen noch länger spürbar sein. Während der Future für 2027 im April um 2,50 EUR/MWh sank, stieg er im Mai wieder leicht um 1,50 EUR/MWh.
Die Kontraktpreise:
Kontrakt Mai: im Durchschnitt 92,21 EUR/MWh
Kontrakt Juni: im Durchschnitt 91,40 EUR/MWh
Kontrakt +3 Monate: im Durchschnitt 93,34 EUR/MWh
Autor: Dimitrios Koranis
Dieser Beitrag erschien am 08.06.2026 bei KI Web (Kunststoff-Information).

